10 legendäre Routen für Männer mit Fernweh.





DIE LETZTEN GROSSEN ROADTRIPS DER WELT – 10 LEGENDÄRE ROUTEN FÜR MÄNNER MIT FERNWEH
Von der Route 66 in Amerika über die Panamericana und Patagonien bis zur Amalfitana: Zehn spektakuläre Straßen und historische Reiserouten, auf denen nicht das Ziel, sondern der Weg das eigentliche Abenteuer ist.
Es gibt Reisen, bei denen man möglichst schnell ankommen möchte.
Und es gibt Reisen, bei denen man hofft, dass die Straße niemals endet.
Ein voller Tank. Ein guter Wagen. Die Sonnenbrille auf der Nase. Vielleicht ein alter Lieblingssong im Radio und irgendwo vor einem eine Straße, die hinter dem Horizont verschwindet.
Keine Flughafenschlange. Kein festgelegtes Ausflugsprogramm. Kein minutiös durchgetakteter Tagesablauf.
Nur die Freiheit, an der nächsten Kreuzung selbst zu entscheiden, wohin es weitergeht.
Manchmal ist das Ziel eben nur die Ausrede loszufahren.
Ein Roadtrip ist mehr als eine Autofahrt. Zumindest dann, wenn man ihn richtig versteht.
Es geht nicht darum, möglichst viele Kilometer zurückzulegen oder möglichst schnell von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten zu gelangen.
Es geht um die Momente dazwischen.
Um einen Kaffee in einem amerikanischen Diner. Eine verlassene Tankstelle in der Wüste. Einen Sonnenaufgang über den Anden. Ein kleines Dorf in den schottischen Highlands, dessen Namen man vorher noch nie gehört hat.
Und manchmal um das wunderbare Gefühl, für einige Stunden niemandem erklären zu müssen, warum man gerade dort ist.
Für unsere neue Ausgabe von THE RESIDENCE GUIDE und THE WEEKEND DRIVE haben wir zehn außergewöhnliche Roadtrips und historische Reiserouten zusammengestellt.
Von Brasilien bis Australien. Von der amerikanischen Wüste bis ins marokkanische Atlasgebirge.
Einige dieser Straßen sind weltberühmt. Andere führen durch Gegenden, in denen die moderne Welt noch erstaunlich weit entfernt erscheint.
Alle besitzen etwas, das sich nicht buchen oder kaufen lässt:
Das Gefühl, unterwegs zu sein.
01 | SERRA DO RIO DO RASTRO – BRASILIEN
284 Kurven. Ein Gebirge. Und eine Straße, die man nicht vergisst.
Es gibt Straßen, die wurden offenbar gebaut, weil zwei Orte miteinander verbunden werden mussten.
Und dann gibt es die Serra do Rio do Rastro.
Hier könnte man beinahe glauben, jemand habe beschlossen, ein Gebirge mit möglichst vielen Kurven zu versehen – einfach um zu sehen, was passiert.
Die spektakuläre Bergstraße liegt im brasilianischen Bundesstaat Santa Catarina und ist Teil der SC-390 zwischen Lauro Müller und Bom Jardim da Serra.
Auf einem rund zwölf Kilometer langen Gebirgsabschnitt windet sie sich durch zahlreiche enge Kehren die Berge hinauf.
Vom Aussichtspunkt auf etwa 1.460 Metern Höhe eröffnet sich bei klarer Sicht ein beeindruckendes Panorama.
Tief unter dem Besucher liegt eine Straße, die sich wie ein endloses Band über die grünen Berghänge zieht.
Die Landschaft ist dramatisch. Steile Hänge, üppige Vegetation und Wolken, die manchmal zwischen den Bergen hängen.
Gerade diese Mischung macht den besonderen Charakter der Serra do Rio do Rastro aus.
Sie ist kein klassischer Roadtrip über Tausende Kilometer.
Sondern eine dieser außergewöhnlichen Straßen, für die man auch eine längere Anreise in Kauf nehmen würde.
Das Erlebnis: Anspruchsvolle Serpentinen, spektakuläre Höhenunterschiede und eine Landschaft, die einen selbst nach der letzten Kurve noch nicht loslässt.
Gut zu wissen: Nebel, Regen und enge Kurven verlangen besondere Aufmerksamkeit. Die Strecke sollte mit angemessener Geschwindigkeit und ausreichend Zeit gefahren werden.
02 | ROUTE 66 – USA
Chicago bis Santa Monica | Historisch rund 3.940 Kilometer
Es gibt Straßen, die jeder Autofahrer kennt, selbst wenn er noch nie dort gewesen ist.
Die Route 66 ist eine davon.
1926 offiziell eingerichtet, verband die historische Fernstraße Chicago mit Kalifornien.
Rund 2.448 Meilen, also ungefähr 3.940 Kilometer, quer durch Amerika.
Illinois. Missouri. Kansas. Oklahoma. Texas. New Mexico. Arizona. Kalifornien.
Acht Bundesstaaten, unzählige kleine Städte und ein Stück amerikanischer Geschichte.
Die Route 66 wurde als Mother Road berühmt.
Sie war eine wichtige Verbindung für Menschen, die auf der Suche nach Arbeit, einem neuen Leben oder einfach besseren Möglichkeiten Richtung Westen zogen.
Später wurde sie zum Symbol des amerikanischen Automobilzeitalters.
Tankstellen. Motels. Burgerrestaurants. Neonreklamen. Cadillac, Chevrolet und Ford.
Und natürlich die endlosen Straßen, die man aus Filmen und Musik kennt.
Heute existiert die ursprüngliche Route 66 nicht mehr als durchgehend ausgewiesener US-Highway. Viele historische Abschnitte sind allerdings erhalten und lassen sich miteinander verbinden.
Genau das macht ihren Reiz aus.
Man fährt durch Orte, in denen die Zeit scheinbar stehen geblieben ist. Entdeckt alte Werbeschilder, klassische Diners und Motels, die noch immer aussehen wie aus einem amerikanischen Film der 1960er-Jahre.
Und spätestens irgendwo in Arizona versteht man, weshalb diese Straße zum Mythos geworden ist.
Das Erlebnis: Amerikanische Autokultur, Nostalgie, Wüstenlandschaften und das Gefühl, durch die Geschichte eines ganzen Landes zu fahren.
Gut zu wissen: Für einen historischen Route-66-Roadtrip benötigt man eine sorgfältige Routenplanung, denn viele ursprüngliche Teilstücke wurden verlegt, umgewidmet oder durch moderne Straßen ersetzt.
03 | PANAMERICANA – VON ALASKA BIS SÜDAMERIKA
Über 24.000 Kilometer – je nach Streckenführung deutlich mehr
Wenn die Route 66 der amerikanische Roadtrip-Klassiker ist, dann ist die Panamericana die ganz große Herausforderung.
Ein weit verzweigtes Straßensystem, das Nord-, Mittel- und Südamerika miteinander verbindet.
Von Alaska durch Kanada und die Vereinigten Staaten nach Mexiko.
Weiter durch Mittelamerika bis nach Panama.
Und auf südamerikanischer Seite durch unterschiedliche Landschaften und Länder, mit möglichen Fortsetzungen bis weit in den Süden des Kontinents.
Je nach gewählter Route können dabei weit mehr als 24.000 Kilometer zusammenkommen.
Kaum eine andere Reiseidee zeigt die landschaftlichen Gegensätze Amerikas so eindrucksvoll.
Im Norden kalte Wälder und Gebirge.
Weiter südlich Wüsten, gewaltige Städte und tropische Regionen.
Dann die Anden mit ihren Hochgebirgspässen, weite Ebenen und die monumentalen Landschaften Südamerikas.
Dabei gibt es eine entscheidende Besonderheit:
Die Panamericana ist keine vollständig durchfahrbare Straße.
Zwischen Panama und Kolumbien liegt der Darién Gap, eine weitgehend unerschlossene Regenwaldregion ohne durchgehende Straßenverbindung.
Wer die Reise mit eigenem Fahrzeug fortsetzen möchte, muss deshalb einen organisierten Fahrzeugtransport zwischen Mittel- und Südamerika einplanen.
Auch Grenzbestimmungen, Fahrzeugpapiere und regionale Sicherheitslagen machen eine sorgfältige Vorbereitung notwendig.
Aber vielleicht ist gerade das der Grund, weshalb die Panamericana bis heute als eines der größten automobilen Abenteuer gilt.
Hier fährt man nicht einfach in den Urlaub.
Hier begibt man sich auf eine Reise, die das eigene Leben für eine ganze Weile bestimmt.
Das Erlebnis: Extreme landschaftliche Vielfalt, kulturelle Begegnungen und eine der großen automobilen Langstreckenherausforderungen.
Gut zu wissen: Es gibt keine einzige verbindliche Panamericana-Route von Alaska bis Feuerland. Streckenlängen und Endpunkte unterscheiden sich je nach gewähltem Verlauf. Der Darién Gap bleibt die entscheidende Straßenunterbrechung.
04 | DIE HISTORISCHE SEIDENSTRASSE – ZENTRALASIEN
Samarkand, Buchara und die alten Handelswege zwischen Ost und West
Nicht jede große Straße der Welt wurde ursprünglich für Automobile gebaut.
Manche existierten lange, bevor irgendjemand überhaupt an einen Verbrennungsmotor dachte.
Die historische Seidenstraße gehört dazu.
Allerdings war sie niemals eine einzelne Straße.
Vielmehr bestand sie aus einem weit verzweigten Netzwerk von Handelswegen, das über viele Jahrhunderte unterschiedliche Regionen Eurasiens miteinander verband.
Über diese Routen wurden nicht nur Seide, Gewürze und wertvolle Waren transportiert.
Auch Wissen, Religionen, Technologien und kulturelle Ideen verbreiteten sich entlang dieser Verbindungen.
Zu den faszinierendsten Stationen gehören Samarkand und Buchara im heutigen Usbekistan.
Beide Städte waren bedeutende Zentren des Handels und kulturellen Austauschs.
Samarkand begeistert mit monumentalen islamischen Bauwerken und der berühmten Registan-Anlage.
Buchara besitzt eine außergewöhnlich gut erhaltene historische Altstadt.
Wer heute eine Reise entlang ausgewählter historischer Seidenstraßenkorridore unternimmt, entdeckt eine Welt zwischen alten Karawanenstädten, weiten Steppen und eindrucksvollen Gebirgslandschaften.
Das Besondere daran ist weniger die Geschwindigkeit als die Geschichte.
Man fährt durch Regionen, in denen seit Jahrhunderten Menschen aus unterschiedlichen Kulturen aufeinandergetroffen sind.
Das Erlebnis: Geschichte, Architektur, endlose Landschaften und das Gefühl, alten Verbindungen zwischen Ost und West nachzuspüren.
Gut zu wissen: Die Seidenstraße ist ein historisches Routennetz und keine einzige durchgehende Autostraße. Eine heutige Reise muss deshalb als individuell geplante Strecke über moderne Straßen zusammengestellt werden. Grenz-, Visa- und Sicherheitsbestimmungen sind dabei entscheidend.
05 | CARRETERA AUSTRAL – CHILE / PATAGONIEN
Puerto Montt bis Villa O’Higgins | Rund 1.240 Kilometer
Es gibt Gegenden, in denen der Mensch die Landschaft vollständig verändert hat.
Und es gibt Patagonien.
Die Carretera Austral, offiziell Teil der chilenischen Ruta 7, führt durch eine der faszinierendsten und dünn besiedelten Regionen Südamerikas.
Ihre Strecke beginnt bei Puerto Montt und reicht bis Villa O’Higgins.
Dazwischen liegen mehr als 1.200 Kilometer mit tiefen Fjorden, dichten Wäldern, Gletschern, türkisfarbenen Seen und mächtigen Bergen.
Ein Teil der Route verläuft über Schotterstraßen.
An verschiedenen Stellen sind Fähren notwendig, um die Reise fortzusetzen.
Das macht die Carretera Austral zu einer Strecke, auf der man den modernen Begriff von Bequemlichkeit gelegentlich neu definieren muss.
Nicht immer gibt es eine Tankstelle hinter der nächsten Kurve.
Nicht jeder Abschnitt besitzt perfekten Asphalt.
Und manchmal bestimmt das Wetter, wann es weitergeht.
Dafür erlebt man Landschaften, die in ihrer Ursprünglichkeit kaum zu übertreffen sind.
Besonders beeindruckend sind die Wälder des Pumalín-Gebiets, die Region rund um den Lago General Carrera und die Gebirgslandschaften weiter südlich.
Hier geht es nicht darum, schnell anzukommen.
Hier geht es darum, den Weg überhaupt erleben zu dürfen.
Das Erlebnis: Patagonische Wildnis, Gletscher, Schotterpisten und das Gefühl, weit entfernt vom gewohnten Alltag unterwegs zu sein.
Gut zu wissen: Ein geeignetes Fahrzeug, sorgfältige Vorratsplanung und die rechtzeitige Prüfung von Fährverbindungen sind wichtig. Als besonders günstige Reisezeit gilt häufig der südamerikanische Sommer von Dezember bis März.
06 | NORTH COAST 500 – SCHOTTLAND
Rundkurs ab Inverness | 516 Meilen, etwa 830 Kilometer
Schottland gehört zu den Ländern, die ihre Schönheit nicht immer auf den ersten Blick preisgeben.
Manchmal liegt sie hinter einer Nebelwand.
Manchmal zwischen zwei Bergen.
Und manchmal erscheint sie plötzlich nach einer Kurve, wenn sich der Blick auf eine einsame Bucht öffnet.
Die North Coast 500 führt auf einem rund 830 Kilometer langen Rundkurs durch die nördlichen Highlands.
Start und Ziel liegen in Inverness.
Dazwischen warten dramatische Küsten, einsame Strände, schroffe Berge, kleine Fischerdörfer und historische Landschaften.
Die Route ist vergleichsweise jung als touristische Marke, doch die Straßen und Orte besitzen eine wesentlich längere Geschichte.
Anders als bei der Route 66 stehen hier nicht amerikanische Diners und Neonreklamen im Mittelpunkt.
Sondern raue Natur, jahrhundertealte Bauwerke und eine Landschaft, die häufig beinahe menschenleer wirkt.
Man fährt entlang der Küste, passiert abgelegene Ortschaften und erlebt immer wieder einen erstaunlichen Wechsel zwischen grünen Tälern, felsigen Klippen und dem offenen Meer.
Die North Coast 500 ist kein Ort für besondere Eile.
Und gerade deshalb so reizvoll.
Das Erlebnis: Schottische Highlands, wilde Küsten, wechselhaftes Wetter und klassisches Roadtrip-Gefühl auf einer kompakten, aber abwechslungsreichen Rundstrecke.
Gut zu wissen: Viele Abschnitte verlaufen über schmale Single-Track-Roads mit Ausweichstellen. Rücksichtnahme auf Gegenverkehr, Einheimische und langsamere Fahrzeuge gehört hier unbedingt dazu.
07 | GARDEN ROUTE – SÜDAFRIKA
Mossel Bay bis Storms River | Rund 300 Kilometer Kernstrecke
Südafrika besitzt eine Küstenstraße, die ihren Namen nicht zufällig trägt.
Die Garden Route führt entlang der südlichen Küstenregion des Landes und verbindet beeindruckende Landschaften mit einer erstaunlichen Vielfalt an Vegetation.
Die klassische Kernstrecke verläuft zwischen Mossel Bay und Storms River.
Dazwischen liegen Orte wie George, Wilderness, Knysna und Plettenberg Bay.
Die Landschaft wechselt zwischen Stränden, Lagunen, bewaldeten Regionen und dramatischen Küstenabschnitten.
Anders als bei der rauen Carretera Austral steht hier nicht das Gefühl extremer Abgeschiedenheit im Vordergrund.
Vielmehr verbindet die Garden Route eindrucksvolle Natur mit vergleichsweise gut erschlossenen Reisemöglichkeiten.
Manchmal fährt man durch dichte Vegetation, wenige Minuten später öffnet sich der Blick auf eine weite Bucht.
Dann taucht ein kleiner Küstenort auf, bevor die Straße erneut durch Wälder und Hügellandschaften führt.
Gerade diese Vielseitigkeit macht die Garden Route besonders attraktiv.
Sie ist keine Straße, auf der man möglichst viele Kilometer sammeln sollte.
Sondern eine, auf der es sich lohnt, immer wieder anzuhalten.
Das Erlebnis: Ozean, Wälder, Lagunen, kleine Küstenorte und eine der abwechslungsreichsten Landschaftsregionen Südafrikas.
Gut zu wissen: Die rund 300 Kilometer beziehen sich auf die klassische Kernstrecke. Viele Reisende erweitern ihre Fahrt um weitere Orte und Nationalparks. Für solche Abstecher sollte ausreichend zusätzliche Zeit eingeplant werden.
08 | AMALFITANA – ITALIEN
Vietri sul Mare bis Positano | SS163, rund 50 Kilometer
Manche Straßen besitzen eine Atmosphäre, die man kaum erklären muss.
Die Amalfitana gehört dazu.
Sie führt entlang einer der berühmtesten Küstenlandschaften Italiens.
Steile Felswände, kleine Ortschaften und Häuser, die scheinbar direkt über dem Meer errichtet wurden, begleiten diese außergewöhnliche Strecke.
Die SS163 schlängelt sich zwischen Vietri sul Mare und Positano durch die Landschaft der Amalfiküste.
Die Straße ist schmal, kurvenreich und stellenweise unmittelbar in die steilen Küstenhänge gebaut.
Und genau das macht ihren Reiz aus.
Hier erlebt man Italien in seiner besonders eindrucksvollen Form.
Mit mediterranem Licht, warmen Fassaden, kleinen Buchten und Aussichten, die beinahe unwirklich erscheinen.
Die Amalfitana ist allerdings auch ein Beispiel dafür, dass berühmte Traumstraßen im Alltag durchaus ihre Herausforderungen besitzen.
In der Hochsaison kann der Verkehr erheblich sein. Für bestimmte Zeiträume gelten außerdem Zufahrts- und Fahrbeschränkungen.
Wer die Strecke genießen möchte, sollte deshalb nicht einfach zur Hauptreisezeit ohne Vorbereitung losfahren.
Das Erlebnis: Mediterrane Eleganz, spektakuläre Küstenblicke und eine klassische italienische Panoramastraße.
Gut zu wissen: Die SS163 ist besonders schmal und stark frequentiert. Aktuelle Verkehrsregelungen, Zufahrtsbeschränkungen und Parkmöglichkeiten sollten unbedingt vor Reisebeginn geprüft werden.
09 | GREAT OCEAN ROAD – AUSTRALIEN
Torquay bis Allansford | 243 Kilometer
Wenn man eine Straße nach ihrer Landschaft beurteilen würde, hätte die Great Ocean Road zweifellos hervorragende Voraussetzungen.
Sie verläuft entlang der spektakulären Küste des australischen Bundesstaates Victoria.
Auf einer Länge von 243 Kilometern verbindet sie Torquay mit Allansford.
Dabei führt sie durch unterschiedliche Küstenlandschaften, vorbei an Stränden, Steilküsten und den berühmten Kalksteinformationen der Twelve Apostles.
Doch die Great Ocean Road besitzt auch eine bemerkenswerte Geschichte.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde sie unter Beteiligung Tausender zurückgekehrter Soldaten gebaut.
Sie gilt als bedeutendes Kriegsdenkmal und erinnert an die australischen Gefallenen des Ersten Weltkriegs.
1932 wurde die Straße eröffnet.
Damit ist sie weit mehr als eine touristische Panoramaroute.
Sie verbindet eine bewegende historische Entstehungsgeschichte mit einer der eindrucksvollsten Küstenlandschaften Australiens.
Besonders an den offenen Abschnitten, an denen die Brandung gegen die Felsen schlägt, versteht man die Faszination dieser Straße.
Hier fährt man nicht einfach am Meer entlang.
Man erlebt, wie gewaltig der Ozean sein kann.
Das Erlebnis: Dramatische Küstenlandschaften, die Twelve Apostles, australische Natur und eine Straße mit außergewöhnlicher Geschichte.
Gut zu wissen: Die 243 Kilometer beziehen sich auf die eigentliche Great Ocean Road. Eine umfassende Reise durch die umliegende Region kann deutlich länger ausfallen.
10 | DAS ATLASGEBIRGE – MAROKKO
Marrakesch – Tizi n’Tichka – Ouarzazate | Rund 200 Kilometer
Man verlässt Marrakesch.
Die Stadt wird kleiner.
Der Verkehr verliert langsam seine Dichte, und vor einem beginnen die Berge.
Dann verändert sich die Landschaft.
Das Grün wird seltener. Die Erde nimmt warme Rot- und Ockertöne an. Kleine Dörfer erscheinen an Berghängen.
Und schließlich führt die Straße immer höher in den Atlas.
Die Fahrt von Marrakesch über den Tizi-n’Tichka-Pass nach Ouarzazate gehört zu den faszinierenden Gebirgsrouten Marokkos.
Die N9 überquert den Hohen Atlas in rund 2.260 Metern Höhe.
Dazwischen liegen zahlreiche Kurven, beeindruckende Aussichten und Landschaften, die sich mit jeder Höhenstufe verändern.
Auf der südlichen Seite öffnet sich der Blick in eine deutlich trockenere, von traditionellen Lehmbauten und kargen Bergen geprägte Region.
Ouarzazate ist dabei ein bekannter Ausgangspunkt für weitere Reisen in den Süden Marokkos.
Wer möchte, kann von hier aus seine Fahrt in Richtung Wüstenlandschaften fortsetzen.
Doch schon der eigentliche Pass ist ein Erlebnis.
Die Farben der Berge. Das Licht. Die alten Dörfer. Die Weite.
Und diese besonderen Augenblicke, in denen man anhält, aussteigt und für einige Minuten überhaupt nichts sagt.
Weil die Landschaft bereits alles erzählt.
Das Erlebnis: Hochgebirgspässe, Berberdörfer, außergewöhnliche Landschaftsfarben und der Übergang von Marrakesch in den Süden Marokkos.
Gut zu wissen: Auf der N9 muss mit Kurven, Höhenunterschieden und teilweise langsamem Verkehr gerechnet werden. Im Winter können Schnee und ungünstige Wetterverhältnisse die Passage erschweren.
WAS EINEN GROSSEN ROADTRIP WIRKLICH AUSMACHT
Wenn man unsere zehn Routen betrachtet, fällt eines sofort auf.
Sie könnten unterschiedlicher kaum sein.
Die Route 66 steht für amerikanische Geschichte und Freiheit.
Die Panamericana für die Dimension eines ganzen Kontinents.
Die Seidenstraße für jahrhundertealte kulturelle Verbindungen.
Die Carretera Austral für unberührte Natur.
Schottlands North Coast 500 für wilde Landschaften.
Die Garden Route für südafrikanische Vielfalt.
Die Amalfitana für italienische Lebensart.
Die Great Ocean Road für Australiens raue Küste.
Das Atlasgebirge für die Faszination einer sich ständig verändernden Landschaft.
Und die Serra do Rio do Rastro für jene Straßen, bei denen bereits jede einzelne Kurve ein Erlebnis ist.
Was sie verbindet, ist nicht eine bestimmte Entfernung.
Auch nicht das Fahrzeug.
Sondern das Gefühl, unterwegs etwas zu entdecken, das man vorher noch nicht kannte.
FÜNF DINGE, DIE ZU EINEM GUTEN ROADTRIP GEHÖREN
1. EIN FAHRZEUG, AUF DAS MAN SICH VERLASSEN KANN
Der schönste Oldtimer nützt wenig, wenn man mitten in einer abgelegenen Region mit einer Panne stehen bleibt.
Vor längeren Reisen gehören deshalb Wartung, Reifen, Bremsen, Flüssigkeitsstände und die für das jeweilige Land vorgeschriebene Ausrüstung auf die Vorbereitungsliste.
Gerade auf abgelegenen Strecken sind Zuverlässigkeit, passende Reifen und ausreichende Reichweite wichtiger als Prestige.
2. EIN PLAN, DER NOCH FREIHEIT LÄSST
Wer jeden einzelnen Tag bis auf die Minute organisiert, nimmt einer Reise einen Teil ihrer Spontaneität.
Natürlich benötigen Grenzübertritte, Fähren und bestimmte Unterkünfte eine verlässliche Planung.
Aber innerhalb dieser Rahmenbedingungen sollte immer Zeit bleiben.
Für einen spontanen Zwischenstopp.
Für eine interessante Nebenstraße.
Oder für ein Dorf, das überhaupt nicht auf der ursprünglichen Route lag.
3. RESPEKT VOR DER STRASSE
Spektakuläre Straßen sind nicht automatisch einfache Straßen.
Bergpässe, Schotterpisten, wechselhaftes Wetter und abgelegene Strecken stellen unterschiedliche Anforderungen an Fahrer und Fahrzeug.
Ein guter Roadtrip ist kein Geschwindigkeitswettbewerb.
Wer Landschaften erleben möchte, sollte sich die Zeit nehmen, sie sicher zu durchfahren.
4. NEUGIER AUF DIE MENSCHEN UNTERWEGS
Manchmal bleiben von einer Reise nicht die berühmtesten Aussichtspunkte in Erinnerung.
Sondern ein Gespräch an einer Tankstelle.
Ein gemeinsamer Kaffee.
Oder die Begegnung mit einem Menschen, dessen Lebensgeschichte man sonst niemals kennengelernt hätte.
Große Reisen bestehen nicht nur aus Landschaften.
Sie bestehen auch aus Begegnungen.
5. DIE BEREITSCHAFT, DEN WEG ZUM ERLEBNIS ZU MACHEN
Nicht jeder Reisetag muss spektakulär sein.
Manchmal fährt man stundenlang durch eine unscheinbare Gegend.
Manchmal regnet es.
Manchmal findet man keinen guten Kaffee.
Und manchmal entdeckt man gerade an solchen Tagen etwas, das einem später besonders lebhaft in Erinnerung bleibt.
Das gehört dazu.
Denn ein Roadtrip ist kein perfekt inszenierter Werbefilm.
Er ist eine wirkliche Reise.
MUSS ES IMMER EIN KLASSISCHER SPORTWAGEN SEIN?
Natürlich gibt es Fahrzeuge, die man sofort mit einem großen Roadtrip verbindet.
Ein amerikanisches Coupé auf der Route 66.
Ein klassischer britischer Grand Tourer auf der Amalfitana.
Ein zuverlässiger Geländewagen in Patagonien oder Marokko.
Ein Cabriolet entlang einer mediterranen Küstenstraße.
Solche Bilder besitzen ihren ganz eigenen Reiz.
Aber die Wahrheit ist: Ein großer Roadtrip hängt nicht davon ab, wie teuer der Wagen ist.
Ein gut gewartetes, geeignetes Fahrzeug und die richtige Einstellung können vollkommen ausreichen.
Entscheidend ist, dass man die Fahrt genießen kann und sich den jeweiligen Anforderungen der Strecke gewachsen fühlt.
Der wahre Luxus liegt nicht unbedingt unter der Motorhaube. Manchmal liegt er einfach darin, Zeit zu haben.
UNSER FAZIT – MANCHMAL MUSS MAN EINFACH NUR LOSFAHREN
Vielleicht ist das die eigentliche Sehnsucht hinter den großen Roadtrips der Welt.
Wir verbringen einen großen Teil unseres Lebens damit, irgendwo anzukommen.
Bei Terminen. Bei Zielen. Bei Aufgaben. Bei Erwartungen.
Wir planen, organisieren, optimieren und versuchen, möglichst wenig Zeit zu verlieren.
Dabei vergessen wir manchmal, dass es auch etwas Schönes sein kann, nicht auf dem schnellsten Weg anzukommen.
Eine Straße, die sich durch die Berge windet.
Ein unbekannter Ort auf einer alten Landkarte.
Die letzten Sonnenstrahlen auf dem Asphalt.
Ein guter Song im Radio.
Und das Wissen, dass man heute ausnahmsweise nicht in Eile ist.
Vielleicht brauchen wir gar nicht immer ein außergewöhnliches Reiseziel.
Vielleicht reicht es gelegentlich, die gewohnte Umgebung hinter uns zu lassen.
Die Route darf lang sein oder kurz.
Das Auto alt oder neu.
Die Reise sorgfältig geplant oder voller kleiner Überraschungen.
Entscheidend ist, dass man sich auf den Weg macht.
DIE LETZTEN GROSSEN ROADTRIPS DER WELT.
NEUE STRASSEN. NEUE HORIZONTE. GROSSE GESCHICHTEN.
MANCHMAL MUSS MAN EINFACH NUR LOSFAHREN.
THE GENTLEMEN’S RESIDENCE
THE RESIDENCE GUIDE / THE WEEKEND DRIVE
DIE LETZTEN GROSSEN ROADTRIPS DER WELT
Zehn außergewöhnliche Straßen und historische Reiserouten, die zeigen, warum die Reise manchmal viel wichtiger ist als das Ziel.
TGR-MAGAZIN.DE
Das Editorial enthält: Zehn außergewöhnliche Roadtrips und historische Reiserouten weltweit: Serra do Rio do Rastro in Brasilien, Route 66 in den USA, Panamericana durch Amerika, historische Seidenstraße in Zentralasien, Carretera Austral in Chile, North Coast 500 in Schottland, Garden Route in Südafrika, Amalfitana in Italien, Great Ocean Road in Australien und die Atlasgebirgsroute von Marrakesch nach Ouarzazate. Dazu Streckenlängen, landschaftliche Besonderheiten, geschichtliche Hintergründe und praktische Hinweise zur Reiseplanung.
Redaktioneller Hinweis: Die Routenauswahl erfolgte unabhängig nach redaktionellen Kriterien. Es handelt sich nicht um gesponserte Inhalte oder bezahlte Kooperationen. Entfernungen sind je nach Streckenvariante gerundet; Verkehrsregeln, Straßenzustände, Grenzbestimmungen und Reisehinweise können sich ändern und sollten vor Reiseantritt aktuell geprüft werden.
