Igel, Bowle, Hawaii-Toast, Zwiebelsuppe und all die legendären Klassiker



PARTYSNACKS DER 80ER UND 90ER – ALS BOWLE, KÄSEIGEL UND TOAST HAWAII NOCH JEDE PARTY RETTETEN
Es war eine andere Zeit.
Andere Musik.
Andere Frisuren.
Andere Autos.
Andere Wohnzimmer.
Und vor allem: andere Partysnacks.
Keine Mini-Burger mit Trüffelmayonnaise. Keine kunstvoll angerichteten Avocado-Häppchen. Keine Fingerfood-Kreationen, bei denen zunächst erklärt werden musste, was man da eigentlich vor sich hatte.
Stattdessen standen auf dem Tisch:
Bowle.
Käseigel.
Toast Hawaii.
Zwiebelsuppe.
Gefüllte Eier.
Würstchen.
Chips.
Flips.
Und erstaunlicherweise waren alle glücklich.
Für unsere neue THE SIGNATURE LIST reisen wir deshalb noch einmal zurück in die 80er und 90er – in eine Zeit, in der ein Partybuffet nicht perfekt fotografiert werden musste.
Es musste nur eines:
gegen Mitternacht noch funktionieren.
DIE BOWLE – DER FLÜSSIGE STAR DER PARTY
Bevor irgendwann jeder Cocktail einen englischen Namen bekam, gab es Bowle.
Eine riesige Glasschüssel.
Früchte.
Sekt oder Wein.
Manchmal Saft.
Manchmal Dinge, deren genaue Zusammensetzung spätestens nach dem dritten Glas niemanden mehr interessierte.
Bowle war Getränk und Dekoration gleichzeitig.
Sie stand mitten im Raum und gehörte zur Party wie Musik, Zigarettenrauch und die Frage, wer eigentlich noch mit dem Auto nach Hause fahren sollte.
Und meistens sah sie harmloser aus, als sie war.
DER KÄSEIGEL – DIE SKULPTUR DES DEUTSCHEN PARTYBUFFETS
Kaum ein Lebensmittel beschreibt die Partykultur jener Jahre besser als der Käseigel.
Eine halbe Melone.
Oder eine Ananas.
Dann Zahnstocher.
Darauf Käse.
Trauben.
Wurst.
Silberzwiebeln.
Vielleicht eine Olive, wenn jemand besonders international wirken wollte.
Das Ergebnis war eine Mischung aus Snack, Dekoration und kulinarischem Kunstwerk.
Heute würde vermutlich jemand ein Foto davon machen und ironisch kommentieren.
Damals wusste jeder:
Wenn der Käseigel auf dem Tisch stand, war die Party offiziell eröffnet.
TOAST HAWAII – SCHINKEN, ANANAS, KÄSE. FERTIG.
Toast Hawaii gehört zu jenen Gerichten, über die heute leidenschaftlicher diskutiert wird, als es die Zutaten eigentlich vermuten lassen.
Toastbrot.
Schinken.
Ananas.
Käse.
Und selbstverständlich die Cocktailkirsche.
Süß.
Salzig.
Warm.
Überbacken.
Für Jahrzehnte war das vollkommen normal.
Heute wirkt diese Kombination für manche beinahe exotischer als Sushi.
Aber vielleicht liegt genau darin der Charme.
Toast Hawaii wollte nie Haute Cuisine sein.
Er wollte satt machen.
Und das möglichst schnell.
ZWIEBELSUPPE – AM BESTEN AUS DER TASSE
Noch so ein Klassiker:
heiße Zwiebelsuppe spät in der Nacht.
Oft aus kleinen Suppentassen.
Würzig.
Heiß.
Und ziemlich genau das Richtige, wenn aus einer gemütlichen Feier inzwischen eine lange Nacht geworden war.
Nicht selten kam sie aus der Tüte.
Aber damals stellte niemand eine Grundsatzdiskussion über Convenience Food an.
Man aß.
Und danach ging die Party weiter.
BLÄTTERTEIG – DIE ALLZWECKWAFFE
Blätterteigschnecken gehörten zu den Dingen, von denen man grundsätzlich zu wenig machen konnte.
Schinken und Käse.
Spinat.
Hackfleisch.
Oder irgendeine Mischung, die gerade im Kühlschrank vorhanden war.
Kleine Portionen.
Schnell gebacken.
Mit zwei Fingern essbar.
Und meistens verschwunden, bevor das Blech überhaupt richtig abgekühlt war.
GEFÜLLTE EIER – EINMAL MAYONNAISE AUF ALLES
Hartgekochte Eier.
Eigelb.
Mayonnaise.
Senf.
Paprika.
Schnittlauch.
Vielleicht noch ein Spritzbeutel für die besonders ambitionierten Gastgeber.
Gefüllte Eier gehörten über Jahrzehnte selbstverständlich auf kalte Platten.
Heute sieht man sie nur noch selten.
Dabei waren sie eigentlich das perfekte Partyessen:
einfach, günstig und in zwei Bissen erledigt.
FLEISCHBÄLLCHEN MIT ZAHNSTOCHER
Wer keinen Zahnstocher brauchte, war damals vermutlich noch gar kein richtiges Partyessen.
Kleine Hackbällchen.
Frikadellen.
Manchmal in Sauce.
Manchmal kalt.
Der Zahnstocher machte daraus offiziell Fingerfood – lange bevor irgendjemand dieses Wort verwenden musste.
KÄSEWÜRFEL – EINFACHER GING ES NICHT
Gouda.
Tilsiter.
Edamer.
In Würfel schneiden.
Zahnstocher hinein.
Fertig.
Wer besonders kreativ war, kombinierte den Käse mit Weintrauben oder Silberzwiebeln.
Ein gastronomisches Konzept, das heute vermutlich mindestens drei Absätze Erklärung auf der Speisekarte benötigen würde.
Damals stand die Platte einfach da.
Und wurde leer.
WÜRSTCHEN IM BLÄTTERTEIG
Mini-Wiener im Teigmantel waren fast narrensicher.
Warm schmeckten sie gut.
Kalt eigentlich auch.
Man konnte sie im Stehen essen.
Und selbst Stunden später hatten sie noch genügend Anhänger.
Eine Party ohne Würstchen war möglich.
Aber unnötig riskant.
PARTYBRÖTCHEN – DIE KALTE PLATTE IN KLEIN
Kleine belegte Brötchen gehörten zum Standard.
Salami.
Schinken.
Käse.
Ei.
Mett.
Gurke.
Tomate.
Manchmal noch ein Petersilienblatt obendrauf, damit das Ganze festlich aussah.
Kein Foodstyling.
Kein Konzept.
Einfach Dinge, die schmeckten.
GURKENSCHIFFCHEN – WENN DAS BUFFET ELEGANT WERDEN SOLLTE
Ausgehöhlte Gurkenhälften.
Gefüllt mit Frischkäse, Kräutern oder Thunfisch.
Vielleicht nicht das wildeste Gericht der Partygeschichte.
Aber ziemlich typisch für Buffets, bei denen der Gastgeber zeigen wollte:
Wir haben uns Gedanken gemacht.
TOMATE-MOZZARELLA – DER HAUCH VON ITALIEN
Spätestens in den 90ern wurde das deutsche Partybuffet etwas mediterraner.
Tomate.
Mozzarella.
Basilikum.
Olivenöl.
Plötzlich schmeckte die Platte nach Urlaub.
Und vielleicht war genau das der Moment, in dem die deutsche Partyküche langsam begann, sich zu verändern.
CHIPS UND FLIPS – OHNE SIE GING NICHTS
Es brauchte keine Präsentation.
Eine Schüssel Chips.
Eine Schüssel Erdnussflips.
Vielleicht Salzstangen.
Fertig.
Irgendwann standen die Schalen auf jedem Tisch verteilt.
Und spätestens am nächsten Morgen fand man einzelne Flips an Orten, an denen eigentlich nie Essen gewesen sein sollte.
DATTELN IM SPECKMANTEL
Süß und salzig.
Einfach.
Und schon damals erstaunlich wirkungsvoll.
Datteln in Speck gehörten zu den etwas ambitionierteren Partysnacks.
Warm aus dem Ofen, außen knusprig und innen weich.
Ein Gericht, das im Gegensatz zu manchem anderen Klassiker erstaunlich gut gealtert ist.
FONDUE UND HEISSE PLATTE – WENN ESSEN DAS ABENDPROGRAMM WAR
Fondue war kein Essen.
Fondue war eine Veranstaltung.
Der Topf stand in der Mitte.
Alle saßen darum herum.
Fleisch wurde gegart.
Saucen wurden herumgereicht.
Und irgendwann wusste niemand mehr, wem eigentlich welche Fonduegabel gehörte.
Vielleicht war genau das der Reiz.
Man saß lange gemeinsam am Tisch.
Es gab keinen Zeitdruck.
Und das Essen war gleichzeitig Unterhaltung.
DAS WAR MEHR ALS NUR ESSEN
Vielleicht erinnern wir uns heute nicht deshalb so gerne an diese Snacks, weil sie gastronomisch besonders anspruchsvoll waren.
Sondern weil sie zu einer bestimmten Form von Party gehörten.
Wohnzimmer voller Menschen.
Musik aus großen Lautsprechern.
Aschenbecher auf dem Tisch.
Jacken irgendwo auf einem Bett.
Eine Bowleschüssel in der Küche.
Jemand wechselte die Kassette oder später die CD.
Irgendwann wurde getanzt.
Und niemand dachte darüber nach, ob das Essen fotogen genug für soziale Medien war.
Es musste nichts dokumentiert werden.
Der Abend durfte einfach passieren.
WARUM DIESE PARTYSNACKS FAST VERSCHWUNDEN SIND
Unser Geschmack hat sich verändert.
Internationale Küche wurde selbstverständlicher.
Lebensmittel wurden vielfältiger.
Buffets wurden raffinierter.
Und natürlich ist daran überhaupt nichts falsch.
Aber dabei verschwanden einige Gerichte, die früher praktisch jeder kannte.
Der Käseigel wurde zum Retro-Gag.
Toast Hawaii zur kulinarischen Grundsatzfrage.
Bowle taucht meistens nur noch auf, wenn jemand ausdrücklich eine 80er-Party veranstaltet.
Und die gefüllten Eier warten vermutlich irgendwo geduldig auf ihr großes Comeback.
Vielleicht wäre genau jetzt der richtige Moment.
DENN MANCHMAL MUSS GUTES ESSEN NICHT KOMPLIZIERT SEIN
Man kann über viele dieser Klassiker lachen.
Aber vielleicht konnten sie etwas, das heutige perfekt inszenierte Buffets manchmal vergessen:
Sie brachten Menschen zusammen.
Niemand diskutierte über die Herkunft des Käses.
Niemand fotografierte den Teller zehn Minuten lang.
Man griff zu.
Man redete.
Man lachte.
Und irgendwann war alles leer.
Vielleicht ist deshalb der wichtigste Satz unseres Editorials:
ANDERE ZEITEN.
ANDERE SNACKS.
ABER IMMER GUTE PARTYS.
Redaktioneller Hinweis:
Dieser Beitrag ist eine unabhängige redaktionelle und nostalgische Betrachtung von THE GENTLEMEN’S RESIDENCE. Genannte Speisen und Getränke dienen ausschließlich der zeitgeschichtlichen und kulinarischen Einordnung. Es bestehen keine bezahlten Kooperationen oder Sponsorings.
