Was im Glas wirklich den Unterschied macht.



Champagner, Prosecco oder Spumante – was ist eigentlich der Unterschied?
Drei Begriffe, drei Welten und deutlich mehr als nur unterschiedliche Bläschen im Glas.
In unserem neuen THE CODE erklären wir, was Champagne so besonders macht, warum Prosecco anders entsteht und weshalb Spumante kein einzelner Wein, sondern ein italienischer Oberbegriff ist. Dazu zeigen wir die wichtigsten Stilrichtungen – von Blanc de Blancs und Rosé Champagne über Prosecco Superiore und Cartizze bis zu Franciacorta, Trento DOC, Asti und Lambrusco Spumante.
Außerdem klären wir, was Brut, Extra Dry und Dry wirklich bedeuten, welche Serviertemperatur passt und welcher Schaumwein sich für Aperitivo, Fine Dining, Dessert oder den großen Anlass eignet.
CHAMPAGNER ODER PROSECCO?
Beide haben Bläschen.
Beide werden kalt serviert.
Beide können einen Abend sehr angenehm beginnen.
Und trotzdem sind Champagner und Prosecco zwei vollkommen unterschiedliche Welten.
Der eine steht für französische Tradition, lange Reifung und eine der berühmtesten Weinregionen der Welt.
Der andere für italienische Leichtigkeit, Frische und Aperitivo.
Dazwischen begegnet uns noch ein Begriff, der häufig falsch verstanden wird:
Spumante.
Was also ist eigentlich der Unterschied zwischen Champagner, Prosecco und Spumante?
Welcher Schaumwein passt zu welchem Anlass?
Was bedeutet Brut?
Warum ist Extra Dry paradoxerweise süßer als Brut?
Und muss guter Schaumwein tatsächlich immer teuer sein?
DAS WICHTIGSTE ZUERST
Nicht jeder Schaumwein ist Champagner.
Nicht jeder italienische Schaumwein ist Prosecco.
Und Spumante ist keine eigene Rebsorte.
Drei einfache Sätze, die bereits einen großen Teil der Verwirrung beseitigen.
WAS IST CHAMPAGNER?
Champagner darf nur aus der französischen Weinregion Champagne stammen und muss nach den dort geltenden Regeln produziert werden.
Die Herkunft ist geschützt.
Ein Schaumwein, der exakt nach derselben Methode hergestellt wird, aber beispielsweise aus Deutschland, Spanien oder einer anderen französischen Region stammt, darf deshalb nicht einfach Champagner genannt werden.
Champagner ist damit nicht nur ein Getränk.
Er ist eine Herkunftsbezeichnung.
DIE CHAMPAGNE
Nordöstlich von Paris liegt jene Region, die dem berühmtesten Schaumwein der Welt ihren Namen gab.
Städte wie:
Reims.
Épernay.
gehören zu den Zentren der Champagnerproduktion.
Das relativ kühle Klima trägt dazu bei, Trauben mit guter Säure zu erzeugen – eine wichtige Grundlage für hochwertigen Schaumwein.
WELCHE TRAUBEN WERDEN FÜR CHAMPAGNER VERWENDET?
Die drei mit Abstand wichtigsten Rebsorten sind:
Chardonnay
Pinot Noir
und
Meunier.
Chardonnay bringt häufig Frische, Eleganz und Zitrusnoten.
Pinot Noir Struktur und Kraft.
Meunier Frucht und Zugänglichkeit.
Je nach Haus, Herkunft und Stil werden diese Rebsorten unterschiedlich miteinander kombiniert.
BLANC DE BLANCS
Wörtlich:
„Weißer aus Weißen.“
In der Champagne bezeichnet Blanc de Blancs typischerweise Champagner aus weißen Trauben – besonders bekannt sind Varianten aus Chardonnay.
Sie wirken häufig:
feiner.
frischer.
mineralischer.
zitrischer.
Natürlich hängt der Charakter immer stark vom jeweiligen Wein ab.
BLANC DE NOIRS
„Weißer aus Schwarzen.“
Hier wird weißer Champagner aus dunklen Trauben erzeugt, insbesondere Pinot Noir und/oder Meunier.
Da der Saft vieler roter Trauben zunächst hell ist, kann daraus bei entsprechender Verarbeitung ein heller Schaumwein entstehen.
Blanc de Noirs wirkt häufig etwas kräftiger und körperreicher.
ROSÉ-CHAMPAGNER
Rosé-Champagner kann auf unterschiedliche zugelassene Weise hergestellt werden.
Seine Stilistik reicht von:
fein und elegant
bis
deutlich fruchtbetont und kräftig.
Er ist keineswegs nur eine farbige Variante für besondere Anlässe.
Gute Rosé-Champagner können ausgezeichnete Essensbegleiter sein.
DAS GEHEIMNIS LIEGT IN DER ZWEITEN GÄRUNG
Beim traditionellen Champagnerverfahren findet die zweite Gärung in der Flasche statt.
Zunächst entsteht ein stiller Grundwein.
Anschließend werden unter anderem Zucker und Hefe hinzugegeben.
Die Flasche wird verschlossen.
Die zweite Gärung beginnt.
Dabei entsteht Kohlendioxid.
Da dieses nicht entweichen kann, löst es sich im Wein.
Die Perlage entsteht.
TRADITIONELLE FLASCHENGÄRUNG
Diese Methode wird heute allgemein als traditionelle Methode beziehungsweise méthode traditionnelle bezeichnet.
Bei Champagner ist sie zentraler Bestandteil der Herstellung.
Nach der zweiten Gärung bleibt der Wein eine Zeit lang mit der Hefe in Kontakt.
Dabei können typische Aromen entstehen, die an:
Brioche.
Toast.
Gebäck.
Nüsse.
erinnern.
Genau diese komplexeren Noten unterscheiden viele traditionell erzeugte Schaumweine von besonders fruchtigen Varianten.
WARUM KOSTET CHAMPAGNER OFT MEHR?
Mehrere Faktoren spielen hinein.
Herkunft.
Weinbergsflächen.
Aufwendige Herstellung.
Flaschenreifung.
Marke.
Lagerung.
Handel.
Und natürlich die weltweite Nachfrage nach dem Namen Champagne.
Man bezahlt also nicht ausschließlich das Getränk.
Man bezahlt teilweise auch Herkunft, Produktionsaufwand und Prestige.
MUSS TEURER CHAMPAGNER BESSER SCHMECKEN?
Nicht automatisch.
Geschmack bleibt persönlich.
Ein hervorragend gemachter Prosecco kann einem Gast mehr Freude bereiten als ein Champagner, dessen Stil er überhaupt nicht mag.
Preis und persönliche Vorliebe sind zwei unterschiedliche Dinge.
NON-VINTAGE CHAMPAGNER
Viele klassische Champagner tragen keinen einzelnen Jahrgang.
Das ist Absicht.
Champagnerhäuser können Grundweine verschiedener Jahre kombinieren, um ihren charakteristischen Hausstil möglichst konstant zu halten.
Genau diese Kunst des Assemblierens gehört zu den Besonderheiten vieler großer Häuser.
JAHRGANGSCHAMPAGNER
In bestimmten Jahren kann ein Produzent einen Vintage beziehungsweise Millésime-Champagner erzeugen.
Dann stammen die verwendeten Grundweine aus dem angegebenen Jahrgang.
Solche Champagner können oft länger reifen und stärker von den Bedingungen dieses Jahres geprägt sein.
CUVÉE DE PRESTIGE
Viele Champagnerhäuser besitzen eine besonders hochwertige Spitzen-Cuvée.
Diese Weine repräsentieren häufig:
besondere Lagen.
lange Reifung.
selektierte Grundweine.
oder einen besonders ambitionierten Stil des Hauses.
Sie können großartig sein.
Aber niemand benötigt eine Prestige-Cuvée, um guten Champagner zu trinken.
UND WAS IST PROSECCO?
Prosecco stammt aus Nordostitalien.
Sein Gebiet umfasst Teile von Veneto und Friuli-Venezia Giulia.
Die wichtigste Rebsorte ist:
Glera.
Prosecco ist also ebenfalls eine geschützte Herkunftsbezeichnung und nicht einfach die italienische Bezeichnung für jeden Schaumwein.
PROSECCO IST NICHT „ITALIENISCHER CHAMPAGNER“
Das hört man gelegentlich.
Ist aber irreführend.
Champagner und Prosecco unterscheiden sich nicht nur durch das Land.
Sondern häufig auch deutlich durch:
Rebsorten.
Herstellungsverfahren.
Aromatik.
Stil.
Tradition.
Der bessere Vergleich lautet deshalb nicht:
Welche Kopie ist besser?
Sondern:
Welchen Stil möchte ich trinken?
WIE WIRD PROSECCO HERGESTELLT?
Ein Großteil des Prosecco wird mit der sogenannten Tankmethode beziehungsweise Martinotti-/Charmat-Methode erzeugt.
Die zweite Gärung findet dabei nicht in jeder einzelnen Flasche statt.
Sondern in einem druckfesten Tank.
Anschließend wird der Schaumwein unter Druck abgefüllt.
WARUM DIE TANKMETHODE GUT ZU PROSECCO PASST
Sie hilft dabei, die frische und fruchtige Aromatik der Glera-Traube zu bewahren.
Typische Eindrücke können sein:
Apfel.
Birne.
Zitrus.
weiße Blüten.
Pfirsich.
Das Ergebnis wirkt meist unmittelbarer und fruchtiger als viele lange auf der Hefe gereifte Schaumweine.
Und genau das ist kein Nachteil.
Es ist der gewünschte Stil.
CHAMPAGNER VS. PROSECCO
Ganz vereinfacht:
Champagner
häufig komplexer, hefiger, strukturierter und stärker von Flaschenreifung geprägt.
Prosecco
häufig frischer, fruchtiger, leichter und unmittelbarer.
Natürlich existieren innerhalb beider Kategorien enorme Unterschiede.
Aber als grundlegende Orientierung funktioniert diese Trennung erstaunlich gut.
PROSECCO DOC
Die große Herkunftsbezeichnung.
Hier findet man sehr unterschiedliche Qualitätsstufen und Produzenten.
Vom unkomplizierten Aperitif bis zu sehr gut gemachten Weinen.
PROSECCO DOCG
Innerhalb der Prosecco-Welt gibt es prestigeträchtigere Herkunftsgebiete mit DOCG-Status.
Besonders bekannt:
Conegliano Valdobbiadene Prosecco Superiore DOCG.
Wer Prosecco genauer kennenlernen möchte, findet gerade dort sehr interessante Weine.
VALDOBBIADENE
Der Name taucht auf vielen hochwertigen Prosecco-Etiketten auf.
Die hügelige Region um Conegliano und Valdobbiadene gehört zum historischen Kerngebiet hochwertiger Prosecco-Produktion.
Hier lohnt es sich, etwas genauer hinzuschauen, statt Prosecco generell nur als günstigen Aperitif einzuordnen.
WAS IST SPUMANTE?
Hier entsteht besonders viel Verwirrung.
Spumante bedeutet im Italienischen grundsätzlich Schaumwein beziehungsweise stark perlender Wein.
Es ist also zunächst keine geschützte Herkunft wie Champagne oder Prosecco.
Ein Prosecco kann ein Spumante sein.
Aber ein Spumante muss kein Prosecco sein.
SPUMANTE IST EINE KATEGORIE
Italien produziert zahlreiche Schaumweine.
Zum Beispiel aus:
Chardonnay.
Pinot Noir.
Glera.
Moscato.
und vielen weiteren Rebsorten.
Je nach Region und Herkunft können vollkommen unterschiedliche Stile entstehen.
„Spumante“ allein sagt deshalb noch relativ wenig über Herkunft oder Qualität aus.
FRIZZANTE ODER SPUMANTE?
Auch diese beiden Begriffe sollte man unterscheiden.
Frizzante bezeichnet leichter perlenden Wein mit geringerem Druck.
Spumante besitzt deutlich stärkere Kohlensäure beziehungsweise höheren Flaschendruck und entspricht eher dem, was wir klassisch unter Schaumwein verstehen.
Prosecco kann je nach Variante beispielsweise als Frizzante oder Spumante angeboten werden.
DIE PERLAGE
Bei hochwertigem Schaumwein spricht man häufig von feiner Perlage.
Viele kleine Bläschen wirken im Mund häufig angenehmer und eleganter als wenige grobe.
Allerdings sollte man die Größe der Bläschen nicht zum alleinigen Qualitätsmaßstab erklären.
Temperatur.
Glas.
Herstellungsweise.
Alter.
All das beeinflusst die Wahrnehmung.
BRUT – WAS BEDEUTET DAS?
Brut bezeichnet den Süßegrad des Schaumweins.
Ein Brut wirkt trocken.
Für viele Champagner und Schaumweine ist dies heute einer der verbreitetsten Stile.
Doch daneben gibt es weitere Abstufungen.
BRUT NATURE
Sehr trocken.
Mit sehr wenig beziehungsweise keiner zusätzlichen Dosage nach dem Degorgieren, abhängig von den rechtlichen Vorgaben.
Ein kompromissloser Stil.
Für Menschen, die sehr trockene Schaumweine mögen, ausgesprochen interessant.
EXTRA BRUT
Ebenfalls besonders trocken.
Etwas mehr Spielraum als Brut Nature, aber weiterhin deutlich trockener als gewöhnlicher Brut.
BRUT
Trocken.
Ausgewogen.
Und für viele Gäste die unkomplizierteste Wahl.
Wer auf einer Veranstaltung nicht weiß, welchen Süßegrad er wählen soll, liegt mit Brut häufig richtig.
EXTRA DRY – UND JETZT WIRD ES VERWIRREND
Extra Dry ist süßer als Brut.
Ja.
Der Name klingt genau andersherum.
Gerade bei Prosecco findet man Extra Dry relativ häufig.
Der zusätzliche Restzucker kann die Fruchtigkeit sehr angenehm unterstützen.
DRY IST NOCH SÜSSER
Noch verwirrender.
Ein als „Dry“ bezeichneter Schaumwein liegt hinsichtlich der Süße über Extra Dry.
Deshalb sollte man bei Schaumwein nicht allein nach der Alltagssprache urteilen.
Wer wirklich trocken möchte:
Brut, Extra Brut oder Brut Nature beachten.
WELCHER PROSECCO ZUM APERITIVO?
Brut:
etwas trockener und klarer.
Extra Dry:
fruchtiger und leicht weicher.
Beides kann hervorragend funktionieren.
Es hängt davon ab, ob man mehr Frische oder etwas mehr fruchtige Rundung bevorzugt.
WELCHER CHAMPAGNER ZUM EMPFANG?
Ein klassischer Brut ohne Jahrgang ist häufig die sicherste Variante.
Er funktioniert:
zum Empfang.
vor dem Essen.
auf einer Hochzeit.
bei einer Veranstaltung.
oder einfach als erstes Glas des Abends.
CHAMPAGNER ZUM ESSEN
Einer der größten Fehler besteht darin, Champagner ausschließlich als Aperitif zu betrachten.
Er kann ein hervorragender Essensbegleiter sein.
Je nach Stil beispielsweise zu:
Austern.
Fisch.
Meeresfrüchten.
Geflügel.
Sushi.
gereiftem Käse.
Oder sogar bestimmten Fleischgerichten.
Säure und Kohlensäure machen Schaumwein kulinarisch erstaunlich vielseitig.
ROSÉ ZUM ESSEN
Rosé-Champagner kann durch seine stärkere Frucht und Struktur auch zu kräftigeren Gerichten passen.
Zum Beispiel:
Lachs.
Thunfisch.
Ente.
Oder bestimmte Fleischgerichte.
Nicht jeder Rosé gehört automatisch in die Kategorie „leichter Empfangsdrink“.
PROSECCO ZUM ESSEN
Auch Prosecco funktioniert nicht ausschließlich als Aperitif.
Er passt je nach Stil gut zu:
Antipasti.
leichten Vorspeisen.
Meeresfrüchten.
milden Käsesorten.
Gemüse.
Und natürlich zu vielen italienischen Kleinigkeiten.
PROSECCO UND APEROL SPRITZ
Für viele wahrscheinlich die bekannteste Verbindung.
Prosecco.
Aperol.
Soda.
Eis.
Orange.
Der Aperol Spritz hat Prosecco weltweit noch sichtbarer gemacht.
Wer allerdings guten Prosecco wirklich kennenlernen möchte, sollte ihn auch einmal pur trinken.
BELLINI
Noch ein italienischer Klassiker.
Prosecco und weißes Pfirsichpüree.
Der Bellini zeigt hervorragend, warum die fruchtige Leichtigkeit des Prosecco so gut für bestimmte Cocktails funktioniert.
MIMOSA
Schaumwein mit Orangensaft.
Vor allem beim Brunch beliebt.
Hier muss man nicht zwangsläufig den teuersten Champagner verwenden.
Ein guter trockener Schaumwein reicht vollkommen.
CHAMPAGNER FÜR COCKTAILS?
Möglich.
Aber bei hochwertigen Champagnern stellt sich schnell die Frage, ob man ihre Feinheiten tatsächlich mit anderen Zutaten überdecken möchte.
Für viele Schaumwein-Cocktails ist ein solider trockener Schaumwein die sinnvollere Lösung.
DIE RICHTIGE TEMPERATUR
Schaumwein wird kühl serviert.
Aber nicht zwingend eiskalt.
Zu niedrige Temperaturen unterdrücken Aromen.
Ein junger, frischer Schaumwein darf etwas kühler sein.
Ein komplexer, gereifter Champagner kann davon profitieren, minimal wärmer ins Glas zu kommen.
Das Ziel:
frisch.
Nicht eingefroren.
DER EISKÜHLER
Flasche hinein.
Eis.
Wasser.
Das Wasser ist wichtig, weil dadurch eine größere Fläche der Flasche mit der kalten Umgebung in Kontakt kommt.
Nur Eiswürfel um eine Flasche sehen zwar hervorragend aus, kühlen aber weniger gleichmäßig.
WIE ÖFFNET MAN EINE CHAMPAGNERFLASCHE?
Nicht schütteln.
Nicht den Korken durch den Raum schießen.
Zumindest nicht, wenn wir über stilvolles Servieren sprechen.
Folie entfernen.
Drahtkorb lösen.
Daumen auf dem Korken behalten.
Flasche leicht schräg halten.
Dann:
die Flasche drehen – nicht hektisch am Korken ziehen.
Der Korken sollte kontrolliert herauskommen.
Idealerweise mit einem leisen Seufzer.
Nicht mit einem Kanonenschuss.
DER KNALL
Natürlich gehört ein lauter Korken bei einer ausgelassenen Feier manchmal dazu.
Aber beim klassischen Service gilt:
Je kontrollierter, desto besser.
Ein Champagnerkorken besitzt erheblichen Druck.
Deshalb niemals auf Menschen, Glas oder empfindliche Gegenstände richten.
CHAMPAGNERSÄBEL?
Sabrage.
Spektakulär.
Historisch faszinierend.
Aber nichts für spontane Experimente nach dem dritten Glas.
Wer eine Flasche sabrieren möchte, sollte wissen, was er tut und geeignete Bedingungen schaffen.
Für einen normalen Abend:
Korkenzieher wird nicht gebraucht.
Schwert ebenfalls nicht.
FLÖTE ODER COUPE?
Die klassische Champagnerflöte besitzt eine schmale Form und hält Kohlensäure relativ gut.
Die breite Coupe sieht großartig aus, lässt die Perlage jedoch schneller entweichen.
Doch heute greifen viele Weinprofis noch zu einer dritten Möglichkeit.
DAS WEINGLAS
Ein gutes Weißwein- oder spezielles Schaumweinglas mit etwas größerem Kelch kann komplexem Champagner erstaunlich guttun.
Warum?
Mehr Raum für Aromen.
Die Nase bekommt mehr vom Wein mit.
Gerade hochwertige Champagner müssen nicht zwingend aus einer extrem schmalen Flöte getrunken werden.
DIE COUPE BLEIBT TROTZDEM WUNDERSCHÖN
Cocktailbar.
Hotel.
Silvester.
Art-déco-Atmosphäre.
Eine Coupe besitzt Stil.
Manchmal darf Ästhetik ebenfalls Teil des Genusses sein.
Nicht jede Entscheidung muss im Labor optimiert werden.
WIE HÄLT MAN DAS GLAS?
Am Stiel.
Nicht aus übertriebener Etikette.
Sondern weil dadurch die Hand den Wein weniger schnell erwärmt.
Ganz praktische Eleganz.
WIE VIEL EINSCHENKEN?
Nicht randvoll.
Schaumwein benötigt Raum.
Außerdem lässt sich ein kleineres Glas leichter kühl halten.
Lieber später nachschenken.
CHAMPAGNER ODER PROSECCO ZUR HOCHZEIT?
Beides kann richtig sein.
Champagner:
klassischer, prestigeträchtiger, häufig komplexer.
Prosecco:
leichter, unkomplizierter und in der Regel günstiger.
Bei hundert Gästen können auch wirtschaftliche Überlegungen vollkommen legitim sein.
Ein guter Prosecco ist besser als schlechter Champagner nur wegen des Namens.
ZUM GEBURTSTAG
Champagner ist traditionell stark mit besonderen Momenten verbunden.
Vielleicht gerade deshalb, weil wir ihn nicht jeden Dienstagabend öffnen.
Wobei auch dagegen eigentlich nichts spricht.
ZUM APERITIF
Hier glänzt Prosecco.
Kühl.
Frisch.
Unkompliziert.
Er verlangt nicht automatisch volle Aufmerksamkeit und kann einen Abend sehr elegant eröffnen.
FÜR EIN ROMANTISCHES DINNER
Champagner besitzt natürlich einen gewissen kulturellen Vorteil.
Die Flasche auf dem Tisch erzählt bereits eine Geschichte.
Aber am Ende gilt auch hier:
Trinkt das, was euch schmeckt.
Romantik lässt sich schwer aus einer Appellation erzwingen.
MUSS CHAMPAGNER TEUER SEIN?
Champagne ist grundsätzlich keine günstige Herkunft.
Aber innerhalb der Region gibt es enorme Unterschiede.
Neben den weltweit bekannten großen Häusern existieren zahlreiche kleinere Produzenten und Winzerchampagner.
Wer sich etwas tiefer mit dem Thema beschäftigt, kann dort faszinierende Stilrichtungen entdecken.
GROSSE HÄUSER ODER WINZERCHAMPAGNER?
Große Häuser stehen häufig für einen konstanten, wiedererkennbaren Stil.
Winzerchampagner können stärker die Handschrift einzelner Weinberge, Orte und Produzenten zeigen.
Keine Seite ist automatisch besser.
Es sind unterschiedliche Zugänge zur Champagne.
PROSECCO MUSS NICHT BILLIG SEIN
Auch das ist ein weit verbreitetes Vorurteil.
Ein einfacher Prosecco für den unkomplizierten Aperitivo und ein hochwertiger Prosecco Superiore aus renommierten Lagen sind zwei verschiedene Erfahrungen.
Wer nur die günstigste Supermarktflasche kennt, kennt nicht automatisch die gesamte Kategorie.
SCHAUMWEIN IST GRÖSSER ALS BEIDE
Champagner und Prosecco beherrschen die Aufmerksamkeit.
Aber die Welt des Schaumweins ist viel größer.
Frankreich produziert beispielsweise Crémant.
Spanien Cava.
Deutschland Sekt.
Italien zahlreiche weitere Spumante-Stile.
Und weltweit entstehen heute hervorragende Schaumweine nach unterschiedlichen Methoden.
Es lohnt sich, neugierig zu bleiben.
CHAMPAGNER ODER PROSECCO?
Wenn wir es sehr einfach machen wollen:
Champagner, wenn wir Tiefe, Struktur, Tradition und komplexere Aromen suchen.
Prosecco, wenn wir Frische, Frucht, Leichtigkeit und Aperitivo wollen.
Spumante, wenn wir die größere italienische Schaumweinwelt entdecken möchten.
Aber keine dieser Kategorien ist automatisch besser als die andere.
Sie erfüllen unterschiedliche Rollen.
DIE EINFACHE BESTELLUNG
Wer in der Bar steht und nicht weiß, was er wählen soll:
„Einen trockenen Champagner Brut, bitte.“
Oder:
„Einen Prosecco Brut.“
Damit ist zunächst alles gesagt.
Niemand muss einen Vortrag über Dosage, Hefelager und Herkunft halten, bevor er das erste Glas trinken darf.
EIN GENTLEMAN MUSS KEIN SOMMELIER SEIN
Aber ein paar Grundlagen helfen.
Er sollte wissen:
Champagner kommt aus der Champagne.
Prosecco kommt aus definierten Regionen Nordostitaliens und basiert überwiegend auf Glera.
Spumante bedeutet italienischer Schaumwein.
Brut ist trockener als Extra Dry.
Und der Korken muss niemandem durch das Restaurant geschossen werden.
Damit ist man für erstaunlich viele Situationen bereits hervorragend vorbereitet.
CHAMPAGNER ODER PROSECCO?
Vielleicht ist das am Ende gar nicht die richtige Frage.
Denn beide Getränke müssen nicht gegeneinander antreten.
Freitagabend auf der Terrasse:
Prosecco.
Großes Jubiläum:
Champagner.
Sommerlicher Aperitivo:
wieder Prosecco.
Langes Dinner:
vielleicht ein guter Champagner über mehrere Gänge.
Oder genau andersherum.
Stil bedeutet schließlich nicht, immer das vermeintlich Teuerste zu wählen.
Sondern zu wissen, was zum Moment passt.
Das Editorial „Champagner oder Prosecco?“ erklärt die wichtigsten Unterschiede zwischen Champagner, Prosecco und Spumante – von Herkunft und Rebsorten über traditionelle Flaschengärung und Charmat-Methode bis zu Brut, Extra Dry, Blanc de Blancs, Rosé und Prosecco Superiore. Ein THE SIGNATURE LIST über Schaumwein, den richtigen Service, Gläser, Trinktemperatur und die Frage, welcher Schaumwein zu welchem Anlass und Essen passt. Denn Champagner und Prosecco konkurrieren nicht um denselben Platz: Der eine lebt von Komplexität und Tradition, der andere von Frische und italienischer Leichtigkeit.
Hinweis: Alkohol sollte bewusst und verantwortungsvoll konsumiert werden. Wer fährt, trinkt nicht.
